So antwortest du auf „Erzählen Sie etwas über sich“
„Erzählen Sie etwas über sich“ ist meist die erste Frage im Vorstellungsgespräch, und sie klingt wie die leichteste. Das ist sie nicht, denn sie hat keine Grenzen. Du könntest überall anfangen und beliebig lange reden, und viele Bewerber tun genau das.
Dein Gegenüber will nicht deine Lebensgeschichte hören. Gefragt ist eine kurze berufliche Vorstellung, die verständlich macht, warum du hier sitzt. Wenn du die Frage so behandelst, wird sie zu der einen Frage, auf die du dich fast vollständig vorbereiten kannst.
Was sie hören wollen
Drei Dinge, ob sie es sagen oder nicht:
- Was du jetzt machst und was du gut kannst
- Wie du hierhergekommen bist, in ein oder zwei Sätzen
- Warum dich diese Stelle interessiert
Alles andere kann auf spätere Fragen warten.
Der Aufbau: Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft
Gegenwart. Deine aktuelle Rolle und eine Sache, die zeigt, was du gut machst.
Vergangenheit. Der Hintergrund, der erklärt, wie du hierhergekommen bist. Nur die Teile, die für diese Stelle zählen.
Zukunft. Warum diese Rolle bei dieser Firma der nächste Schritt ist.
Peil sechzig bis neunzig Sekunden an. Weniger als eine Minute kann unvorbereitet wirken. Bei mehr als zwei Minuten wartet dein Gegenüber darauf, dass du fertig wirst.
Ein Beispiel
Für eine Stelle im Bereich Operations:
„Ich bin Operations Coordinator bei einem Einzelhändler für Haushaltswaren und plane dort den Versand für drei Lager. In den letzten zwei Jahren habe ich den Wochenplan neu aufgebaut, dadurch sind die verspäteten Lieferungen um etwa ein Fünftel zurückgegangen. Davor war ich im selben Unternehmen im Kundenservice, und dort habe ich gelernt, wie viel uns eine verspätete Lieferung kostet. Ich suche eine Stelle mit mehr Verantwortung für Lieferanten, und aufgefallen ist mir bei Ihnen, dass Sie Ihre Logistik in diesem Jahr ins eigene Haus holen.“
Das sind unter hundert Wörter und gesprochen weniger als eine Minute. Die Antwort nennt ein Ergebnis, erklärt den Weg und endet bei der Firma.
Berufswechsel
Fang mit dem an, was du mitnimmst, und sag offen, dass du wechselst.
„Acht Jahre lang habe ich Jugendliche in Mathematik unterrichtet und in den letzten drei Jahren auch die Schulungen für neue Lehrkräfte geleitet. Dieser zweite Teil hat mir am meisten Freude gemacht, deshalb habe ich im vergangenen Jahr ein Zertifikat in Instructional Design erworben. Jetzt wechsle ich in die betriebliche Weiterbildung. Ihre Stelle ist mir aufgefallen, weil Ihre Kurse für Menschen gemacht sind, die neu im Thema sind, und genau diese Gruppe kenne ich am besten.“
Berufseinstieg
Nimm Studium, Praktika und Projekte als deine Gegenwart.
„Ich habe im Juni mein VWL-Studium abgeschlossen. In meiner Abschlussarbeit habe ich mit regionalen Beschäftigungsdaten gearbeitet, und während eines sechsmonatigen Praktikums bei einer Bank habe ich einen der wöchentlichen Berichte des Teams automatisiert. Diese Arbeit hat mir mehr Freude gemacht als alles andere im Studium. Deshalb bewerbe ich mich auf Analystenstellen, und Ihre ist eine der wenigen, die Weiterbildung im ersten Jahr erwähnt.“
Pass die Antwort an die Stelle an
Dieselbe Person sollte in jedem Vorstellungsgespräch eine etwas andere Antwort geben. Lies vorher noch einmal die Anzeige und frag dich, welche Teile deines Werdegangs für diese Rolle am meisten zählen. Sie gehören in Gegenwart und Vergangenheit. Such dann einen wahren, konkreten Grund, warum du diese Stelle bei dieser Firma willst. Das ist deine Zukunft.
Am wichtigsten ist der Schluss. Eine Antwort, die bei der Firma endet, gibt das Gespräch genau an der richtigen Stelle an dein Gegenüber zurück.
Fehler, bei denen dir niemand mehr zuhört
- Mit dem Geburtsort anfangen. Fang mit deiner Arbeit an.
- Den Lebenslauf der Reihe nach aufsagen. Sie haben ihn gelesen. Gib die Zusammenfassung, nicht die Liste.
- Vier Minuten reden. Üb mit einer Stoppuhr.
- Private Details, die nichts mit der Stelle zu tun haben. Ein Satz dazu, was du außerhalb der Arbeit machst, passt am Ende, wenn das Gespräch locker ist, und ist überflüssig, wenn es das nicht ist.
- Ohne Schlusspunkt enden. Viele Antworten laufen einfach aus. Schließ damit, warum du hier bist.
- Eine auswendig gelernte Rede. Hab deine drei Teile im Kopf und sprich sie natürlich. Wenn du aufsagst, merkt man es.
So übst du
Schreib deine Antwort als drei kurze Stichpunkte auf, nicht in ganzen Sätzen. Sprich sie fünfmal laut, wenn möglich vor einer anderen Person. Stopp die Zeit. Leg die Stichpunkte dann weg. Merken sollst du dir die Form. Dann fallen die Worte jedes Mal ein wenig anders aus und kommen trotzdem an derselben Stelle an.
Wo JobUncover ins Spiel kommt
Die Interviewvorbereitung in JobUncover gibt dir drei Kernbotschaften für eine konkrete Stelle, gewonnen aus den Punkten, an denen sich dein echtes Profil und die Anzeige treffen. Sie sind ein natürliches Gerüst für diese Antwort: was du gut kannst, der Beleg dafür und warum es für diesen Arbeitgeber zählt.
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