Ein Anschreiben, das nur an eine Firma gehen kann
Es gibt einen schnellen Test für ein Anschreiben. Ersetze den Firmennamen durch den eines Wettbewerbers. Ergibt der Text dann immer noch Sinn, ist es ein Serienbrief, und wer ihn liest, hat davon schon Hunderte gesehen.
Ein gutes Anschreiben besteht diesen Test nicht. Es kann nur an diese Firma gehen, nur um diese Stelle und nur von dir stammen. Das klingt nach viel Arbeit. Meist geht es aber nur darum, die Dinge in der richtigen Reihenfolge zu tun.
Der Aufwand lohnt sich. In einem Feldexperiment von ResumeGo, einem Anbieter von Lebenslauf-Schreibdiensten, hatten Bewerbungen mit einem auf die Stelle zugeschnittenen Anschreiben eine um 53 Prozent höhere Rückmeldequote als Bewerbungen ganz ohne Anschreiben. In der dazugehörigen Umfrage unter 236 Recruitern und Personalverantwortlichen schätzten 81 Prozent ein zugeschnittenes Anschreiben deutlich höher ein als ein allgemeines.
Erst recherchieren, dann schreiben
Über eine Firma, von der du nichts weißt, kannst du nichts Konkretes schreiben. Finde vor dem ersten Satz heraus:
- Was die Firma macht und wer ihre Kunden sind
- Was sie in letzter Zeit getan hat, etwa ein neues Produkt, ein neuer Markt oder ein Richtungswechsel
- Welches Problem die Stelle lösen soll, was meist zwischen den Zeilen der Anzeige steht
Für ein erstes Anschreiben reichen zwanzig Minuten. Notiere dir, woher jeder Fakt stammt, denn später wirst du vielleicht danach gefragt.
Ein Grund, nicht fünf
Die schwächsten Anschreiben zählen alles auf, was der Verfasser an der Firma bewundert. Die stärksten suchen sich eine echte Verbindung zwischen dir und der Firma und bauen darauf auf.
Eine echte Verbindung klingt so: „Sie haben Ihr Support-Team im vergangenen Jahr auf Chat umgestellt. Eine solche Umstellung habe ich für ein zwölfköpfiges Team geleitet.“ Der Satz nennt etwas Wahres über die Firma und etwas Wahres über dich.
Findest du keine solche Verbindung, lohnt sich die Frage, ob du diese Stelle wirklich willst oder ob du sie nur ausfüllen könntest.
Ein einfacher Aufbau
Ein Anschreiben muss nicht raffiniert sein. Vier kurze Absätze reichen.
Einstieg. Sag, auf welche Stelle du dich bewirbst, und nenne deinen einen Grund. Den Satz darüber, wie sehr du dich über die Ausschreibung freust, kannst du weglassen.
Was du mitbringst. Zwei oder drei Punkte aus deiner Erfahrung, die zu den wichtigsten Anforderungen passen. Bleib bei Fakten: was du gemacht hast, wie lange und was dabei herauskam.
Warum diese Firma. Das Konkrete, das du bei der Recherche gefunden hast, und wie deine Erfahrung dazu passt.
Schluss. Ein oder zwei Sätze. Sag, dass du dich über ein Gespräch freust, und hör auf.
Dreihundert Wörter sind genug. Wer mehr wissen will, öffnet deinen Lebenslauf.
Schreib nur, was stimmt
Im Anschreiben ist die Versuchung groß, ein wenig aufzurunden, weil es sich weniger förmlich anfühlt als ein Lebenslauf. Lass es. Alles, was darin steht, kann im Vorstellungsgespräch als Frage zurückkommen.
Eine nützliche Probe: Frag dich bei jeder Aussage, ob du zwei Minuten lang ohne Notizen darüber sprechen könntest. Wenn nicht, streich sie oder mach sie kleiner. „Bei der Migration mitgearbeitet“ ist ein schwächerer Satz als „die Migration geleitet“. Er ist aber deutlich sicherer, wenn du tatsächlich mitgearbeitet hast.
Dasselbe gilt für die Firma. Bist du dir bei einem Fakt nicht sicher, lass ihn weg. Ein falscher Fakt über den eigenen Arbeitgeber des Lesers schadet mehr als gar keiner.
Schreib so, wie du bei der Arbeit sprichst
Lies das Anschreiben laut. Klingt ein Satz nach etwas, das du nie zu einer Kollegin oder einem Kollegen sagen würdest, formuliere ihn um. Sätze wie „Ich bin hoch motiviert, teamfähig und belastbar“ sagen dem Leser nichts, und sie stehen in fast jedem Anschreiben.
Kurze Sätze und einfache Wörter sind eine Erleichterung für jemanden, der gerade die vierzigste Bewerbung des Tages liest.
Gleich es mit der Anzeige ab
Leg das Anschreiben vor dem Absenden neben die Anzeige und frag dich:
- Geht es auf die zwei oder drei wichtigsten Anforderungen ein?
- Gibt es einen Satz, der nur zu dieser Firma passen kann?
- Könntest du alles darin im Vorstellungsgespräch vertreten?
Lautet die Antwort dreimal Ja, schick es ab.
Quellen
- ResumeGo, Cover Letters: Just How Important Are They?, ein Feldexperiment mit 7.287 Bewerbungen und eine Umfrage unter 236 Personalverantwortlichen
Wo JobUncover ins Spiel kommt
JobUncover hält dieselbe Reihenfolge ein. Es recherchiert zuerst die Firma aus öffentlichen Quellen, entwirft dann aus dieser Recherche ein Anschreiben und prüft jede Aussage gegen dein Profil. Nichts kommt hinzu, was nicht zu deiner echten Erfahrung gehört. Du bekommst den Entwurf als DOCX, PDF und einfachen Text, prüfst ihn, bearbeitest ihn und schickst ihn selbst ab.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine Rechts- oder Finanzberatung. Arbeitsmärkte und Gepflogenheiten unterscheiden sich von Land zu Land. Prüfe deshalb, was dort gilt, wo du dich bewirbst. Wie wir unsere Artikel schreiben und prüfen